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Genial ist Einfaches erstmalig einfach zu sagen

Algorithmischer Strukturalismus:

Formalisierung genetischer Strukturalismus:

Ein Versuch, dazu beizutragen, den genetischen Strukturalismus falsifizierbar zu machen

 

Ich lade herzlich dazu ein alle benötigten Dateien herunterzuladen und selbst einzusetzen. Gerne komme ich auch selbst für eine Schulung vorbei wenn Reise- und Übernachtungskosten übernommen werden.

Man kann den Gegenstand der Sozialwissenschaften so beobachten, wie die Astronomie ihren Gegenstand beobachtet. Wenn sich der Gegenstand der Sozialwissenschaften dem direkten Zugang oder Laborexperiment so entzieht, wie ferne Himmelsobjekte (Gerichtsverhandlung, Verkaufsgespräch, Vorstandssitzung, et cetera), bleibt nur, ihn interpretationsfrei rein physikalisch zu beobachten und die Beobachtungen rein physikalisch zu protokollieren. Die Protokolle könnte man dann natürlich auch ohne Rückbindung an Physik, Chemie oder Lifescience und Biochemie interpretieren. Diese überprüfungsfreie Interpretation nennt man bei der Himmelsbeobachtung dann Astrologie. In den Sozialwissenschaften nennt man diese überprüfungsfreie Interpretation Soziologie. Beispiele sind Konstruktivismus (Luhmann), systemische Heilslehren, postmoderner Dekonstruktivismus, oder Theorie kommunikativen Handelns (Habermas). Wie auch in der Astrologie könnte man damit natürlich auch in der Soziologie Computermodelle erstellen, die ebenso wie astrologische Modelle wenig empirischen Erklärungsgehalt hätten. Einige nennen das Sozionik. Man kann aber auch die Protokolle unter Beachtung von Physik, Chemie, Biologie, Evolutionsbiologie, Zoologie, Primatenforschung und Lifescience interpretieren und auf empirische Gültigkeit überprüfen. Die Beobachtung von Himmelsobjekten nennt man dann Astronomie. In den Sozialwissenschaften könnte man von Sozionomie oder Soziomatik sprechen. Heraus kämen dabei keine grossen Weltanschauungen, sondern wie in der Astronomie Modelle, die empirisch überprüfbar sind und an Evolutionsbiologie, Zoologie, Primatenforschung und Lifescience anschlussfähig sind. Diese Modelle  (Differentialgleichungen, formale Sprachen, Zellularautomaten, etc) liessen die Deduktion empirisch überprüfbarer Hypothesen zu, wären also falsifizierbar. Eine solche Sozionomie oder Soziomatik gibt es noch nicht. Ich würde formale Sprachen als Modellsprachen bevorzugen. Denn Gerichtsverhandlungen oder Verkaufsgespräche z.B. lassen sich eher mit formalen Sprachen als mit Differentialgleichungen modellieren.

Der Algorithmische Strukturalismus ist ein Versuch, dazu beizutragen, den genetischen Strukturalismus (ohne Auslassung und ohne Hinzufügung) in eine falsifizierbare Form zu übersetzten. Die Algorithmisch Rekursive Sequenzanalyse ist der erste systematische Versuch, einer naturalistischen und informatischen Ausformulierung des genetischen Strukturalismus als memetisches und evolutionäres Modell. Die Algorithmisch Rekursive Sequenzanalyse (Aachen 1994) ist eine Methode zur Analyse endlicher diskreter Zeichenketten. Krauße, C. C., & Krueger,F.R. veröffentlichten eine äquivalente Methode (Unbekannte Signale 2002). Genial ist, etwas Einfaches erstmalig einfach zu sagen. Die Methodologie der Algorithmisch Rekursiven Sequenzanalyse ist der Algorithmische Strukturalismus. Der Algorithmische Strukturalismus ist eine Formalisierung des genetischen Strukturalismus. Der genetische Strukturalismus ist ein in Umgangssprache formuliertes und gegen jeden Falsifikationsversuch immunisiertes Modell. Der Algorithmische Strukturalismus ist der Versuch den genetischen Strukturalismus falsifizierbar zu machen. Der Algorithmische Strukturalismus ist galileisch und an Habermas und Luhmann so wenig anschlußfähig, wie Galilei an Aristoteles. Natürlich kann man sich bemühen, an Luhmann oder Habermas anschlussfähig zu bleiben und Luhmann oder Habermas zu algorithmisieren. Algorithmisieren kann man alle Artefakte, zum Beispiel die Astrologie oder das Schachspiel. Und man kann normative Agenten verteilter künstlicher Intelligenz, Zelluläre Automaten, neuronale Netze und andere Modelle mit heuristischen Protokollsprachen und Regeln modellieren. Das ist zweifellos theoretisch wertvoll. So wird es keinen soziologischen Theoriefortschritt geben. Gesucht ist eine neue Soziologie, die die Replikation, Variation und Selektion sozialer Replikatoren, gespeichert in Artefakten und neuralen Mustern, modelliert. Diese neue Soziologie wird an Habermas oder Luhman ebenso wenig anschlussfähig sein wie Galilei an Aristoteles. Und ihre basalen Sätze werden so einfach sein wie die newtonschen Gesetze. So wie Newton die Begriffe Bewegung, Beschleunigung, Kraft, Körper und Masse operational definierte, so wird diese Theorie die sozialen Replikatoren, ihre materiellen Substrate, ihre Replikation, Variation und Selektion algorithmisch und operational definieren und sequenzanalytisch sichern. Soziale Strukturen sind sprachlich codiert und basieren auf einem digitalen Code. Gesucht sind syntaktische Strukturen einer Kultur codierenden Sprache. Aber dies wird keine philosophische Sprache sein, sondern eine Sprache, die Gesellschaft codiert und erschafft. Diese Sprache codiert die Replikation, Variation und Selektion kultureller Replikatoren. Auf dieser Basis werden dann normative Agenten verteilter künstlicher Intelligenz, Zelluläre Automaten, neuronale Netze und andere Modelle andere als heuristische Protokollsprachen und Regelsysteme nutzen können, um die Evolution kultureller Replikatoren zu simulieren.

Thematisch bewegt sich der Algorithmische Strukturalismus im Grenzgebiet zwischen Informatik und Soziologie. Die Algorithmische Strukturalismus unterstellt, dass die soziale Wirklichkeit selbst (Wetware, Welt 2) nicht kalkülfähig ist. Die soziale Wirklichkeit hinterlässt bei ihrer Reproduktion und Transformation rein physikalisch semantisch unspezifische Spuren (Protokolle, Hardware, Welt 1). Diese Spuren können als Texte (diskrete endliche Zeichenketten, Software, Welt 3) verstanden werden. Es wird dann gezeigt, dass eine Approximation der Transformationregeln der sozialen Wirklichkeit (latente Sinnstrukturen, Regeln im Sinne von Algorithmen) durch Konstruktion formaler Sprachen (Welt 3, Software) möglich ist. Diese Methode ist die Algorithmisch Rekursive Sequenzanalyse. Diese linguistische Struktur ist der Motor der memetischen Reproduktion kultureller Replikatoren. Diese algorithmisch rekursive Struktur ist natürlich nicht (sic!) an Habermas und Luhmann anschlußfähig. Galilei ist ja auch nicht an Aristoteles anschlußfähig!

Durch Lesartenproduktion und Lesartenfalsifikation wird Sequenzstelle für Sequenzstelle informell das Regelsystem erzeugt. Das informelle Regelsystem wird in ein K-System übersetzt. Mit dem K-System wird dann eine Simulation duchgeführt. Das Ergebnis der Simulation, eine terminale endliche Zeichenkette wird mit der empirisch gesicherten Spur statistisch verglichen.

Das bedeutet nicht, dass Subjekte in irgendeinem Sinne von Bedeutung Regeln im Sinne von Algorithmen folgen. Die soziale Wirklichkeit ist unmittelbar nur sich selbst zugänglich. Völlig unzugänglich sind die inneren Zustände der Subjekte. Aussagen über diese inneren Zustände von Subjekten sind Derivate aus den gefundenen latenten Sinnstrukturen, Regeln im Sinne von Algorithmen. Bevor eine Annahme über den inneren Zustand eines Subjektes formuliert werden kann, müssen zuerst diese latenten Sinnstrukturen, Regeln im Sinne von Algorithmen, als Möglichkeitsraum von Sinn und Bedeutung gültig bestimmt werden. Sinn meint nicht ein ethisch gutes, ästhetisch schönes oder empathisch nachvollzogenes Leben sondern einen intelligiblen Zusammenhang, Regeln im Sinne von Algorithmen.

Die latenten Sinnstrukturen, Regeln im Sinne von Algorithmen, erzeugen diachronisch eine Kette von Selektionsknoten (Parameter I), wobei sie synchronisch zum Zeitpunkt t aus dem Selektionsknoten t den Selektionsknoten t+1 erzeugen (Parameter II). Dem entspricht eine kontextfreie formale Sprache (K-Systeme), die aus dem Selektionsknoten zum Zeitpunkt t durch Anwendung von Produktionsregeln den Selektionsknoten t+1 erzeugt.

Dabei ist jeder Selektionsknoten ein Zeiger auf rekursiv ineinander verschachtelte K-Systeme. So kann wie mit einem Mikroskop in die Fallstruktur hineingezoomt werden. Die Menge der K-Systeme bilden eine Case Structure Modelling Language "CSML".

Die Approximation laesst sich beliebig nahe an die Transformation der sozialen Wirklichkeit annähern. Dabei werden den Produktionen Maße zugeordnet, die ihrer empirischen gesicherten Pragmatik/Semantik entsprechen. Sie bilden topologisch ein rekursives Transitionsnetz diskreter nichtmetrischer Ereignismengen ueber denen ein algorithmisches Regelsystem arbeitet. K- Systeme K sind formal durch ein Alphabet ( ), alle Worte über dem Alphabet ( A* ), Produktionsregeln ( p ) dem Auftrittsmaß h (Pragmatik/Semantik)und einer axiomatischen ersten Zeichenkette ( ) definiert:

 

Das Auftrittsmaß h läßt sich spieltheoretisch expandieren (vgl. Diekmann). Vom Axiom k0 ausgehend, erzeugt ein K-System eine Zeichenkette k0k1k2... indem die Produktionsregel  p auf das Zeichen i einer Kette angewendet wird:

Ein strenges Maß für die Zuverlässigkeit der Zuordnung der Interakte zu den Kategorien (vorläufige Formative da im Prinzip ad infinitum zu approximieren) ist die Anzahl der von allen Interpreten übereinstimmend vorgenommene Zuordnung (vgl MAYRINGl99O,S.94ff, LISCH/KR1Z1978,S.84ff). Diese Zahl muß dann noch durch Relativierung um die Anzahl der Interpreten normalisiert werden. Dieser Koeffizient ist dann definiert mit:

N:= Anzahl der Interpreten

Z:= Anzahl der total übereinstimmenden Zuordnungen

Ii:=Anzahl der Zuordnungen des Interpreten Ii

Eine Beispielsitzung unter clisp mit dem K-system für Verkaufsgespräche:

Das Beispiel ist Ergebnis umfangreicher Sequenzanalysen von Verkausgesprächen in den Jahren 1994, 1995 und1996. Dabei wurden in großem Umfang Spuren von Verkaufs- und Kaufsinterakten gesichert: Tonbandprotokolle von Interakten im Einzelhandel und auf Märkten. Eine Auswahl dieser Protokolle wurden transkribiert und einer umfangreichen objektiv hermeneutischen Interpretation unterworfen. Aus dieser Auswahl wurde dann ein Transkript einer aufwendigen vollständigen Algorithmisch Rekursiven Sequenzanalyse unterworfen. Alle Arbeiten wurden umfangreich dokumentiert und vollständig zusammengefasst. (Die Dokumente werden auf Anfrage gerne vollständig zur Verfügung gestellt.)

Paul Koop K-System Verkaufsgespräch in Lisp

Die Zeichen der Zeichenkette sind ohne vordefinierte Bedeutung. Theoretisch relevant ist allein die Syntax ihrer Verknüpfung. Sie definiert die Fallstruktur. Die semantische Interpretation der Zeichen ist alleine eine Interpretationsleistung eines menschlichen Lesers. Im Prinzip ist auch eine visuelle Interpretation (die animiert werden kann) etwa zur automatischen Synthese von Filmsequenzen möglich.:

Ein menschlicher Leser kann die Zeichen interpetieren:

Verkaufsgespräche VKG
Verkaufstätigkeit VT
Bedarfsteil B
Abschlußteil A
Begrüßung BG
Bedarf Bd
Bedarfsargumentation BA
Abschlußeinwände AE
Verkaufsabschluß AA
Verabschiedung AV
vorangestelltes K Kunde
vorangestelltes V Verkäufer

 

1 (setq vkg
 '(
   ((s bg)100(s vt))
   ((s vt)50(s vt))
   ((s vt)100(s av))
  )
)

Parameter II

 

2 (setq av
 '(
   (kav 100 vav)
  )
)
Parameter II
3 (setq bg
 '(
  (kbg 100 vbg)
  )
)
Parameter II
4 (setq vt
 '(
   ((s b)50(s b))
   ((s b)100(s a))
  )
)
Parameter II
5 (setq a
 '(
   ((s ae)50(s ae))
   ((s ae)100(s aa))
  )
)
Parameter II
6 (setq b
 '(
   ((s bbd) 100 (s ba))
  )
)
Parameter II
7 (setq aa
 '(
   (kaa 100 vaa)
  )
)
Parameter II
8 (setq ae
 '(
   (kae 100 vae)
  )
)
Parameter II
9 (setq ba
 '(
   (kba 100 vba)
  )
)
Parameter II
10 (setq bbd
 '(
   (kbbd 100 vbbd)
  )
)
Parameter II
11 (defun gs (s r)
 (cond
  ((equal s nil)nil)
  ((atom s)(cons s(gs(next s r(random 100))r)))
  (t (cons(eval s)(gs(next s r(random 100))r)))
  )
)
Parameter I
12 (defun next (s r z)
 (cond
  ((equal r nil)nil)
  ((and(<=z(car(cdr(car r))))
   (equal s(car(car r))))(car(reverse(car r))))
  (t(next s (cdr r)z))
  )
)
Parameter I
13 (defun first (list)
 (car(car list))
)
Parameter I
14 (defun s ( )
 (setq protokoll(gs(first vkg)vkg))
)
Parameter I

Es wurde ein Reliabilitätskoeffizient von

gemessen.

Die soziale Wirklichkeit selbst aber ist nicht kalkülfähig und nur sich selbst im  Moment der Transformation zugänglich.


Geisteswissenschaftliche, spirituelle, konstruktivistische und therapeutische Ansätze sind mir fremd. Mead, Parsons, Weber, Simmel, Mannheim/Scheler, Berger/Luckmann, Maturana, Varela, Habermas und Luhmann habe ich hinter mir gelassen. Albert, Axelrod, Esser, Diekmann, Troitzsch, Popper, Brezinka, Rössner, Dawkins, Dennett, Hofstadter, Rucker, Blackmore überzeugen mich mehr. Persönlich bevorzuge ich eine linguistische evolutionäre Perspektive und die damit verbundene Modellierung kultuteller Replikatoren mit formalen Sprachen. Aus der diskreten Struktur der Materie geht die linguistische Struktur der biologischen Evolution und die linguistische Struktur der kulturellen Replikatoren hervor. Ich bevorzuge deshalb einen algorithmischen Strukturalismus.



Über die Entscheidbarkeit der GTG, 1994
Rekursive Strukturen und Prozesse, 1995
K-Systeme: Das Projekt ARS, 1994
Methodologie, 1996
Algorithmisch Rekursive Sequenzanalyse, 1996
ARS Fallstruktur, 1996
Oevermann, Chomsky, Searle, 1994