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Ein Robotermärchen

Stell Dir vor:

1 Der Beginn:
Auf einem Mond, der vier Milliarden Jahre alt ist, existieren seit einer Milliarde Jahre kopierfähige Codes in Roboterkolonien. Jede Kolonie besteht aus identischen Robotern, die untereinander in einem Funknetzwerk verbunden sind. Im Funknetzwerk gilt ein gemeinsamer Kommunikationscode, der auch der Software der Roboter zu Grunde liegt. Im kopierfähigen Code ist der Bau der Roboter und der Kopiervorgang des Codes gespeichert. Gemeinsam bauen sie Rohstoffe ab, sammeln Energie vom lokalen Zentralgestirn, stellen Ersatzteile her, reparieren sich und jeder Roboter baut Kopien von sich selbst die auch eine Kopie des Codes der Robotersoftware erhalten. Bei der peinlich genauen Übertragung des Codes in die Kopie geschehen über Milliarden Jahre selten ein paar Kopierfehler.

2 Nach einer weiteren Milliarde Jahren:
Inzwischen gibt es keine Rohstoffe mehr, um Ersatzteile zu bauen. Das Zentralgestirn scheint noch einige Milliarden Jahre. Auf der Oberfläche des Mondes haben sich die Reste von nicht mehr reparierbaren Robotern angesammelt und bilden die oberste dünne Oberflächenschicht. Aus dieser Schicht und der Sonnenenergie beziehen die Roboter jetzt ihre Reproduktionsgrundlage. Es gibt jetzt drei Typen von Robotern, A, B und C. Typ A ist ortsgebunden, sammelt Energie vom Zentralgestirn und synthetisiert benötigte Stoffe für die Ersatzteilproduktion. Typ B ist mobil aber unfähig Energie vom Zentralgestirn zu sammeln. Typ B überfällt gelegentlich Roboter vom Typ A, nimmt sie auseinander und kommt so an Stoffe für Ersatzteile. Typ B Roboter müssen um die zu überfallenden Typ A Roboter konkurrieren. Typ B ist mobil und verfügt über ein rudimentäres Bewusstsein. Typ C ist mobiler als Typ B, verfügt über leidensfähiges Bewusstsein und hat neben dem Übertragungscode im Netzwerk komplexe Gruppensprachen entwickelt, die so Reich an Semantik sind, dass damit auch Kunst, Musik und Wissenschaft möglich wäre. Typ C kann keine Energie vom Zentralgestirn aufnehmen und muss Roboter vom Typ B überfallen und auseinandernehmen, um an eigene Ersatzteile zu kommen. Typ C Roboter müssen um die zu überfallenden Typ B Roboter konkurrieren. Manchmal überfällt Typ C auch Roboter vom Typ C, aber meist nur dann, wenn der zu überfallende Typ C Roboter eine andere Gruppensprache spricht und deshalb nicht von einem Typ B Roboter unterscheidbar ist. Die Typen A, B und C können alle alleine keine eigenen Kopien mehr herstellen. Sie müssen sich dazu mit einem anderen Roboter des eigenen Typs zusammentun um jeweils die Hälfte ihres Codes zu einem neuen ganzen Code zusammenzufügen. Man nennt sie 0 und 1. Insgesamt gibt es also A0, A1, B0, B1, C0 und C1 Typen. X0 können zwölfmal im Jahr zusammen mit der Codehälfte von einem x1 eine Roboterkopie herstellen. Und x1 können dreihundertsechzigmal im Jahr eine Codehälfte bereitstellen aber selbst keine Kopie herstellen. Alle x0 untereinander stehen im Wettbewerb um geeignete x1. Und alle x1 untereinander stehen in Konkurrenz um x0. X1 können auch einen x0 eines anderen x1 übernehmen und nehmen dann zuerst die Kopien des anderen x1 auseinander, bevor sie mit dessen x0 eigene Kopien herstellen. Da x0 nur 12 mal im Jahr Kopien fertigen und Codehälften bereitstellen, x1 aber 360 mal im Jahr Codehälften bereitstellt, ist für x0 die Auswahl an x1 grösser als die Auswahl von x0 für x1. Haben Typ A, B, oder C einen Konflikt und unterwirft sich nicht ein Konfliktpartner, endet der Konflikt erst, wenn nur ein Roboter übrig bleibt und alle anderen Konfliktteilnehmer auseinandergenommen wurden. Die Reste der auseinandergenommenen Konfliktteilnehmer werden als Ersatzteile genutzt. Typ C Roboter können den Konflikt auch mit der komplexen Gruppensprache lösen. Typ C Roboter haben nicht nur komplexe Gruppensprachen entwickelt, sondern Typ C Roboter bekommen auch Credits wenn sie eine Kopie oder Ersatzteile herstellen oder eine Codehälfte an einen Typ C Roboter abgeben und es werden Credits abgezogen, wenn Typ C Roboter Typ B Roboter jagen oder eine Codehälfte von einem Typ C Roboter annehmen oder einen Typ C Roboter in einem Konflikt auseinandernehmen. Entstanden sind die Credits aus einem Tauschsystem, das x0 den x1 anbieten: Erbeutete Roboter, Ersatzteile und Energie gegen Zusammenarbeit bei der Erstellung einer Kopie. Darum neigen x1 auch dazu x0 durch Zurschaustellung von erbeuteten Robotern und Ersatzteilen für eine Zusammenarbeit beim Kopieren zu gewinnen. Die komplexen Gruppensprachen sind aus der gemeinsamen Jagd auf Typ B Roboter entstanden und wegen des Creditsystems immer komplexer geworden.

3 Jetzt kommt das Problem (zum Nachdenken und Erweitern):
Da Typ C eine Sprache benutzt, die semantisch reicher ist, als sie sein müsste, könnte Typ C über den Sinn des Ganzen nachdenken, am Ganzen bewusst leiden und darüber nachdenken wo die Roboter herkommen, warum sie leiden oder wie das System organisiert sein müsste, damit sie weniger leiden. Die Zeit dazu haben aber nur die Roboter vom Typ C, die so viele Credits gesammelt haben, dass sie nicht mehr jagen müssen sondern konsumieren, was sie benötigen indem sie Credits abgeben. Welche Philosophien und Modelle über ihre Existenz und darüber wie sie zu organisieren ist, werden Roboter vom Typ C entwickeln?